PV-Planung

Vom Verbrauch zur Anlagengröße.

Photovoltaik planen: Verbrauch, Dachfläche, Ertrag, Speicher und Eigenverbrauch grob einschätzen — mit konkreten Zahlen für Österreich.

KIWAG-Prinzip

Sachlich erklären, Risiken nennen, Quellen prüfen und keine falschen Versprechen machen.

PV-Planung in 5 Schritten:
⚠ Hinweis: Alle Angaben ohne Gewähr. Preise, Fördersätze und gesetzliche Regelungen können sich ändern. Für verbindliche Planung: Elektrofachbetrieb oder Energieberater kontaktieren. Diese Seite ist keine Rechts- oder Steuerberatung.
Schritt 1

Stromverbrauch ermitteln

Die Anlagengröße sollte sich an deinem Jahresstromverbrauch orientieren. Hier eine Übersicht für Österreich.

🏠 Haushaltsgrößen & Verbrauch

HaushaltsgrößeWohnung (kWh/Jahr)Einfamilienhaus (kWh/Jahr)
1 Person1.400–2.0002.000–2.800
2 Personen2.000–2.6002.800–3.500
3 Personen2.600–3.2003.400–4.200
4 Personen (Familie)2.900–3.5003.800–5.000
5+ Personen3.000–4.0003.800–5.500

🔌 Zusätzliche Verbraucher einplanen

  • E-Auto: Ladebedarf ca. 2.000–4.000 kWh/Jahr (je nach Fahrleistung, 15–20 kWh/100 km)
  • Wärmepumpe: Strombedarf ca. 3.000–6.000 kWh/Jahr (je nach Heizbedarf und Baujahr des Hauses)
  • Elektrische Warmwasserbereitung: Boiler oder Durchlauferhitzer = 500–1.800 kWh/Jahr zusätzlich
💡 Tipp: Plane lieber etwas größer — der Strombedarf steigt typischerweise über die Jahre (E-Auto, Wärmepumpe, Home-Office). Die Mehrkosten für ein paar zusätzliche Module sind gering im Vergleich zu einer Nachrüstung.

Quelle: E-Control, Stromliste.at

Schritt 2

Dachfläche & Modulanzahl

Standard-Solarmodule haben ca. 1,7 m × 1,1 m (ca. 1,9–2,0 m²) und leisten 420–450 Wp. Der Flächenbedarf pro kWp beträgt ca. 5–6 m² auf dem Schrägdach.

📐 Anlagengrößen & Dachfläche

AnlagengrößeModule (je 435 Wp)Dachfläche ca.Geeignet für
5 kWp11–12 Stk.25–30 m²Kleines EFH, 1–2 Personen
8 kWp18–20 Stk.40–48 m²EFH, 3–4 Personen
10 kWp22–24 Stk.50–60 m²EFH mit E-Auto/WP
15 kWp33–36 Stk.75–90 m²Großes Dach, hoher Verbrauch

🏗 Dachform & Berechnung

Pultdach: Länge × Breite = m² nutzbarer Fläche. Abzüge für Dachfenster, Kamine, Schornsteine, Gauben, Verschattung. Faustregel: ca. 20–30 % Abzug gegenüber der Brutto-Dachfläche.

Satteldach: Zwei Dachseiten, jeweils Länge × Breite pro Seite, dann addieren. In der Regel kann nur die Südseite oder Südwest-Seite voll genutzt werden; die Nordseite bringt deutlich weniger Ertrag.

Flachdach: Mehr Platzbedarf durch Aufständerung und Reihenabstände (ca. 6–8 m² pro kWp). Vorteil: Optimale Ausrichtung möglich.

✅ Modulanzahl selbst berechnen: Jahresverbrauch (kWh) ÷ 1.000 = empfohlene kWp → kWp × 5,5 = benötigte Dachfläche (m²) → kWp ÷ 0,435 = Anzahl Module. Beispiel: 4.500 kWh/Jahr → 10 kWp → 55 m² → 23 Module
Schritt 3

Anlagengröße dimensionieren

Faustregel: 1 kWp pro 1.000 kWh Jahresverbrauch bei guter Südausrichtung. Bei Ost-West-Ausrichtung oder für Zukunftsvorsorge entsprechend mehr.

📈 Minimal-Dimensionierung

kWp = Verbrauch / 1.000

Kompakt, für reinen Haushalt ohne E-Auto/WP. Beispiele:

  • 2.500 kWh → 3 kWp
  • 3.500 kWh → 4 kWp
  • 4.500 kWh → 5 kWp

🏷 Zukunfts-Dimensionierung

kWp = Verbrauch × 2,5 / 1.000

Mit Reserve für E-Auto, Wärmepumpe oder steigenden Verbrauch:

  • 2.500 kWh → 6 kWp
  • 3.500 kWh → 9 kWp
  • 4.500 kWh → 10–12 kWp

⚡ Was passiert mit Überschuss?

Überschüssige Energie wird in folgender Reihenfolge genutzt:

  1. Direkter Eigenverbrauch — Haushaltsstrom
  2. Batteriespeicher laden — bis Speicher voll ist
  3. Warmwasser-Heizstab — Überschuss sinnvoll nutzen
  4. E-Auto laden — weiterer Überschuss
  5. Netzeinspeisung — letzte Priorität (ca. 5,7–8,8 ct/kWh)
✅ Lieber etwas größer: Eine größere Anlage produziert im Winterhalbjahr mehr, im Sommer lässt sich Überschuss über Warmwasser und E-Auto nutzen. Die Mehrkosten für zusätzliche Module sind gering — Nachrüsten ist teurer.
Schritt 4

Dachausrichtung & Neigung

Nicht jedes Dach hat die ideale Südausrichtung. Die gute Nachricht: Auch Ost-West-Anlagen liefern hervorragende Erträge.

🧭 Ausrichtung & Ertrag

AusrichtungErtrag (relativ)Bewertung
Süden100 %Optimum — höchster Jahresertrag
Südost / Südwest90–95 %Sehr gut — kaum Verlust
Ost / West80–85 %Gut — bessere Verteilung über den Tag
Norden50–55 %Meist unwirtschaftlich

🌅 Ost-West — oft die bessere Wahl

Eine Ost-West-Anlage verteilt die Stromproduktion gleichmäßiger über den Tag:

  • Ostseite: Produziert von ca. 6–13 Uhr (Morgen- bis Mittagssonne)
  • Westseite: Produziert von ca. 12–20 Uhr (Nachmittags- bis Abendsonne)

Dadurch wird morgens und abends mehr Eigenverbrauch abgedeckt und der Speicher kann über einen längeren Zeitraum geladen werden. Der Jahreshöchstertrag ist zwar ca. 10–20 % niedriger als bei reiner Südausrichtung, der Eigenverbrauchsanteil ist aber oft höher.

💡 Tipp: Der optimale Neigungswinkel für Österreich liegt bei 30–35°. Mit dem Sonnenwinkel-Rechner kannst du den optimalen Winkel für deinen Standort berechnen.
Schritt 5

Ertragserwartung einschätzen

In Österreich erzeugt 1 kWp Leistung je nach Standort ca. 950–1.100 kWh pro Jahr.

1.000–1.100 kWh
Ostösterreich (Wien, NÖ, Bgld.) pro kWp/Jahr
950–1.050 kWh
Westösterreich (Tirol, Vbg.) pro kWp/Jahr
🏔
< 900 kWh
Alpentäler mit starker Verschattung

📊 Beispielrechnung: 10 kWp Anlage

Eine 10 kWp Anlage in Südausrichtung, 30° Neigung, erzeugt in Ostösterreich ca. 10.000–11.000 kWh/Jahr. Davon fallen ca. 70 % in die Monate April bis September, nur 5–8 % in Dezember/Jänner.

Mit dieser Anlage kann ein 4-Personen-Haushalt (4.000–5.000 kWh/Jahr Verbrauch) im Jahresmittel ca. 70–85 % Autarkie erreichen — mit einem Speicher von 10–14 kWh.

🔍 Präzise Berechnung: Für eine genaue Ertragsprognose deines Standorts empfiehlt sich das EU-Tool PVGIS der Europäischen Kommission.
Schritt 6

Speichergröße richtig wählen

Faustregel: 1–1,5 kWh Speicherkapazität pro 1 kWp Anlagenleistung. Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauch von ca. 30 % auf 70–80 %.

AnlagengrößeEmpfohlener SpeicherMaterialpreis (LiFePO4)Installiert (Fachfirma)
5 kWp5–8 kWhca. 1.600–3.000 €ca. 3.000–5.000 €
8 kWp8–12 kWhca. 2.500–4.000 €ca. 4.500–7.000 €
10 kWp10–15 kWhca. 3.200–5.500 €ca. 5.500–8.000 €
15 kWp15–22 kWhca. 4.800–8.000 €ca. 8.000–12.000 €

💰 Wirtschaftlichkeit — lohnt sich der Speicher?

Die Einspeisevergütung liegt bei nur ca. 5,7–8,8 ct/kWh (OeMAG, Stand Juni 2026). Selbst verbrauchter Strom spart dagegen ca. 25–35 ct/kWh. Jede selbst verbrauchte kWh ist also das Drei- bis Fünffache wert.

Ohne Speicher: ca. 30 % Eigenverbrauch — 70 % verschenkt.
Mit Speicher: ca. 70–80 % Eigenverbrauch — nur noch 20–30 % gehen ins Netz.

✅ Klare Empfehlung: Immer mit Speicher planen. Ein LiFePO4-Speicher hält bei 6.000–10.000 Zyklen über 15–25 Jahre.
Schritt 7

Verschattung & Optimierer

Verschattung ist der häufigste Grund für Ertragseinbußen. Schon ein kleiner Schatten auf einer Zelle kann den gesamten String ausbremsen.

⚡ String-Wechselrichter

Keine Optimierer

Günstigste Variante, geeignet für:

  • Verschattungsfreie Flächen
  • Einheitliche Modulausrichtung
  • Eine Dachseite (z. B. nur Süden)

💡 Modul-Optimierer

Optimierer oder Mikro-WR

Empfohlen bei:

  • Teilverschattung (Kamin, Antenne, Baum)
  • Unterschiedliche Dachneigungen (Ost+West)
  • Mehrere Dachflächen in unterschiedliche Richtungen

Optimierer-Kosten im Vergleich

💡 Tipp: Bei einem unverschatteten Süddach ohne Hindernisse reicht ein String-Wechselrichter völlig aus. Optimierer lohnen sich erst bei tatsächlicher Teilverschattung.
Schritt 8

Kosten pro kWp (Österreich 2026)

Die Kosten für PV-Anlagen in Österreich variieren stark — je nachdem, ob eine Fachfirma alles übernimmt oder man Komponenten selbst beschafft und montiert.

🏢 Schlüsselfertig (Fachfirma)

1.000–1.800 €/kWp

  • 5 kWp: 6.000–9.000 €
  • 8 kWp: 9.500–14.000 €
  • 10 kWp: 10.000–16.000 €
  • Inkl. Planung, Montage, Elektrik
  • Garantie & Gewährleistung

🔧 Eigenleistung (Material)

450–700 €/kWp

  • 10 kWp: 4.500–7.000 €
  • 50–60 % günstiger
  • Elektro-Anschluss vom Profi nötig
  • Technisches Verständnis erforderlich

Preis-Aufschlüsselung für 10 kWp in Eigenleistung

KomponenteCirca-Preis
Module (23–24 Stk. à 435 Wp, monokristallin)1.500–2.500 €
Hybrid-Wechselrichter (3-phasig, 10 kW)1.200–2.000 €
Unterkonstruktion / Montagesystem (Ziegeldach)1.000–1.500 €
Solarkabel, Sicherungen, Überspannungsschutz, Verteiler400–700 €
Elektriker (Anschluss, Abnahme, Zählertausch)800–1.500 €
Gesamt (Material + Elektriker)4.900–8.200 €
⚠ Hinweis: Alle Preise inkl. 20 % USt. (seit 01.01.2026 wieder Regelsteuersatz, 0 % USt. ist ausgelaufen). Förderungen (EAG: 150 €/kWp + 150 €/kWh Speicher) noch nicht abgezogen.
Schritt 9

Warmwasser mit PV-Überschuss

Wenn der Speicher voll ist und die Sonne scheint, fließt Überschuss normalerweise für minimale Vergütung ins Netz. Ein Heizstab im Warmwasserspeicher wandelt diese Energie in warmes Wasser um.

🔌 Intelligente Heizstab-Steuerung

✅ Energiepriorität: 1. Haushalt → 2. Speicher → 3. Warmwasser → 4. Einspeisung

Die Nachrüstung eines Heizstabs mit Steuerung kostet 150–750 € (je nach System) und deckt 50–70 % des jährlichen Warmwasserbedarfs. Quelle: my-PV.com

Checkliste

Planungsschritte auf einen Blick

1
Stromverbrauch ermitteln

Jahresabrechnung prüfen oder Energiezähler ablesen. Zukunft einplanen (E-Auto, Wärmepumpe).

2
Dachfläche & Ausrichtung prüfen

Brutto-Dachfläche messen, Abzüge machen (Fenster, Kamine), Himmelsrichtung und Neigung bestimmen.

3
Anlagengröße festlegen

Faustregel: 1 kWp pro 1.000 kWh Verbrauch. Für Zukunftsvorsorge: kWp = Verbrauch × 2,5 / 1.000.

4
Ertrag abschätzen

950–1.100 kWh/kWp/Jahr je nach Standort. PVGIS-Tool für präzise Werte verwenden.

5
Speichergröße wählen

1–1,5 kWh Speicher pro kWp. LiFePO4 ist die sichere und langlebige Wahl.

6
Verschattung prüfen & Optimierer entscheiden

Bei Teilverschattung oder mehreren Dachflächen: Optimierer oder Mikro-Wechselrichter einplanen.

7
Kosten kalkulieren & Förderung beantragen

Angebote von Fachfirmen vergleichen oder Materialliste erstellen. EAG-Fördercall abwarten und beantragen.

8
Warmwasser-Überschuss einplanen

Heizstab mit intelligenter Steuerung (z. B. my-PV) einbauen — beste Zusatzinvestition.

⚡ Energiebedarf-Rechner ☀ Sonnenwinkel-Rechner
⚠ Hinweis: Alle Angaben ohne Gewähr. Preise, Fördersätze und gesetzliche Regelungen können sich ändern. Für verbindliche Planung: Elektrofachbetrieb oder Energieberater kontaktieren. Quellen: E-Control (e-control.at), PV Austria (pvaustria.at), OeMAG (oem-ag.at), PVGIS (EU-Tool). Diese Seite ist keine Rechts- oder Steuerberatung.
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