Steuern in Österreich:
KESt, Meldefonds & Krypto
Steuern klingen trocken — aber sie entscheiden mit, wie viel von deiner Rendite wirklich bei dir bleibt. Dieses Kapitel erklärt die wichtigsten steuerlichen Aspekte für Anleger in Österreich, ohne Juristendeutsch.
Kapitalertragsteuer (KESt) — was, wie viel, wann
In Österreich werden Kapitalerträge mit der Kapitalertragsteuer (KESt) besteuert. Sie wird direkt vom Broker abgezogen — du siehst nur den Nettobetrag.
Quelle: § 27a EStG (Einkommensteuergesetz) Österreich. Stand 2025. Steuersätze können sich durch Gesetzesänderungen ändern.
| Ertragsart | KESt-Satz | Automatisch abgeführt? | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Kursgewinne (Aktien, ETFs) | 27,5 % | ✅ bei inländ. Broker | Beim Verkauf fällig |
| Dividenden (Aktien, ETFs) | 27,5 % | ✅ bei inländ. Broker | Bei Ausschüttung fällig |
| Zinsen (Sparbuch, Girokonto) | 25 % | ✅ automatisch | Niedrigerer Satz als Aktien |
| Thesaurierende ETFs (fiktiv) | 27,5 % | ✅ bei steuereinfachem Broker | Ausschüttungsgleiche Erträge jährlich |
| Kryptowährungen | 27,5 % | ❌ meist selbst erklären | Seit 1.3.2022 einheitlich, keine Jahresfrist mehr |
„Steuereinfach" — was das bedeutet und warum es wichtig ist
Eines der wichtigsten Kriterien bei der Broker-Wahl für österreichische Anleger: Ist der Broker steuereinfach? Das entscheidet darüber, ob du dich selbst um die Steuer kümmern musst oder nicht.
✅ Steuereinfacher Broker (AT)
- Hat eine Niederlassung in Österreich
- Führt KESt automatisch ans Finanzamt ab
- Nimmt Verlustausgleich automatisch vor
- Keine eigene Steuererklärung für Kapitalerträge nötig
- Beispiele: Trade Republic AT, flatex AT, Erste Bank, Raiffeisenbank
⚠️ Ausländischer Broker
- Kein österreichischer Steuerabzug
- Kursgewinne und Dividenden müssen in der Steuererklärung angegeben werden
- Aufwendige Berechnung, besonders bei thesaurierenden ETFs
- Beispiele: IBKR (Interactive Brokers), Scalable, Revolut (je nach Struktur)
- Funktioniert, aber mehr Aufwand — für Einsteiger nicht empfohlen
Meldefonds — der wichtigste Begriff den kaum jemand kennt
Das ist das Thema, über das kaum jemand spricht — dabei ist es für österreichische ETF-Anleger extrem relevant. Wenn du einen ETF kaufst, der nicht auf der österreichischen Meldefonds-Liste steht, wird die Besteuerung deutlich komplizierter.
Was ist ein Meldefonds?
Ein Meldefonds meldet dem OeKB (Oesterreichische Kontrollbank) jährlich die steuerlich relevanten Erträge. Österreichische Anleger profitieren von einfacherer Besteuerung.
Wie prüfe ich das?
Auf fondsdaten.oekb.at kannst du jeden Fonds/ETF per ISIN suchen und prüfen, ob er gemeldet ist. Alle großen MSCI World-, FTSE All-World- und EM-ETFs der großen Anbieter (iShares, Vanguard, Xtrackers) sind in der Regel auf der Meldefonds-Liste.
Steuereinfacher Broker = automatisch geregelt
Wer einen steuereinfachen österreichischen Broker nutzt UND ausschließlich Meldefonds kauft, muss sich um die Steuer praktisch nicht kümmern. Der Broker regelt alles automatisch.
Verlustausgleich — wie Verluste die Steuer senken
Wer Positionen mit Verlust verkauft, kann diese Verluste mit Gewinnen im selben Jahr verrechnen. Das reduziert die Steuerlast.
Automatisch beim steuereinfachen Broker
Bei österreichischen steuereinfachen Brokern wird der Verlustausgleich innerhalb desselben Depots automatisch vorgenommen. Du siehst im Jahresbericht die tatsächlich abgeführte KESt nach Verlustverrechnung.
Nur im selben Steuerjahr
Verluste können nur mit Gewinnen desselben Steuerjahres verrechnet werden — kein Vortrag auf Folgejahre. Taktisches Verkaufen von Verlustpositionen Ende Dezember kann daher Sinn machen (steuerliche Verlust-Realisierung).
Einschränkung: Aktien vs. Anleihen
Verluste aus Aktien/ETFs können nur mit Gewinnen aus Aktien/ETFs verrechnet werden, nicht mit Zinserträgen. Das österreichische Steuerrecht unterscheidet nach Einkunftsarten.
Mehrere Depots: komplizierter
Verlustausgleich zwischen verschiedenen Depots / Brokern muss manuell über die Steuererklärung (Veranlagung) beantragt werden. Steuereinfache Broker machen das NUR innerhalb desselben Depots automatisch.
Kryptowährungen — steuerlich seit 1. März 2022 komplett anders
Bis März 2022 waren Krypto-Gewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Das gilt nicht mehr. Die neue Regelung ist klarer — aber auch strenger.
❌ Alt (vor 1.3.2022)
- Krypto galt als "Spekulationsgeschäft"
- Nach 1 Jahr Haltedauer: steuerfrei
- Unter 1 Jahr: Einkommensteuer (bis 55 %)
- Komplizierte Regelungen je nach Transaktion
✅ Neu (seit 1.3.2022)
- Krypto ist nun wie Aktien/ETFs behandelt
- Einheitlich 27,5 % KESt auf alle Gewinne
- Keine Jahresfrist mehr (keine steuerfreie Haltedauer)
- Verlustausgleich mit anderen Kapitalerträgen möglich
- Krypto-Bestände vor 1.3.2022 erworben: Altbestand-Regelung, meist günstig
Steuern einfach halten — so geht's
Steuereinfachen österreichischen Broker wählen
Trade Republic AT oder flatex AT erledigen die KESt automatisch. Kein eigener Aufwand, kein Risiko vergessener Erklärungen.
Nur Meldefonds (OeKB-Liste) kaufen
Alle großen ETFs auf MSCI World, FTSE All-World und Emerging Markets von iShares, Vanguard, Xtrackers stehen auf der Meldefonds-Liste. Prüfen auf fondsdaten.oekb.at.
Jahresbericht aufheben
Dein Broker stellt jährlich einen Steuernachweis aus. Diesen aufheben — er zeigt, was bereits abgeführt wurde. Wichtig bei einer eventuellen Steuererklärung.
Bei Unklarheiten: Steuerberater oder FinanzOnline
Das Finanzamt hat ein kostenloses Auskunftsservice (FinanzOnline). Bei komplexen Situationen (ausländische Depots, Krypto, Vererbung) lohnt sich ein Steuerberater — die Kosten sind meist überschaubar.
Verlusttopf clever nutzen: Jahresende-Strategie
Der Dezember kann deine Steuerlast fürs gesamte Jahr reduzieren. Wer in Österreich mit einem steuereinfachen Broker arbeitet, profitiert vom automatischen Verlustausgleich — vorausgesetzt, man spielt die Strategie richtig.
Gewinne mitnehmen
Schau dir deine gut gelaufenen Positionen an. Nimm Teilgewinne bewusst mit — der steuereinfache Broker zieht automatisch die KESt von 27,5 % ab und führt sie ans Finanzamt ab. Der verbleibende Gewinn steht dir zur freien Verfügung, während die Steuer bereits beglichen ist.
Verluste realisieren — aber nur mit Strategie
Hast du Aktien oder ETFs im Depot, bei denen der Thesis-Check negativ ausgefallen ist? Verkaufe diese Positionen im Dezember. Der Broker verrechnet die realisierten Verluste automatisch mit den Gewinnen des laufenden Jahres — und damit auch mit den bereits gezahlten Steuern.
Der Steuer-Effekt: Cash zurück
Trade Republic (seit April 2025 steuereinfach in Österreich) und andere steuereinfache Broker verrechnen die realisierten Verluste vollautomatisch mit den gezahlten Gewinn-Steuern des laufenden Jahres. Du bekommst die zu viel gezahlte Steuer sofort bar auf dein Verrechnungskonto erstattet. Das ist kein Steuerstundungseffekt — das ist echte Liquidität.
Automatischer Verlustausgleich
Bei steuereinfachen Brokern (Trade Republic AT, flatex AT) läuft der Verlustausgleich innerhalb desselben Depots vollautomatisch. Keine Steuererklärung nötig.
Nur innerhalb derselben Einkunftsart
Verluste aus Aktien/ETFs können nur mit Gewinnen aus Aktien/ETFs verrechnet werden — nicht mit Zinserträgen aus Sparbüchern. Der Verlusttopf ist getrennt nach Einkunftsarten.
Nur im selben Steuerjahr
Anders als in Deutschland gibt es in Österreich keinen Verlustvortrag ins nächste Jahr. Nicht genutzte Verluste verfallen. Daher: Verluste bewusst im Dezember realisieren.
ETF-Emittenten wechseln — Steuerlast in der Pension reduzieren
Eine wenig bekannte, aber effektive Strategie für langfristige ETF-Sparer: Alle ~10 Jahre den Emittenten wechseln, um später in der Pension gezielt den ETF mit dem niedrigsten Durchschnittskurs zu verkaufen. So reduzierst du deine Steuerlast im Alter erheblich.
🇦🇹 Österreich: Gleitender Durchschnittspreis
Anders als Deutschland (FIFO) verwendet Österreich den gleitenden Durchschnittspreis pro ISIN. Das bedeutet: Alle Anteile derselben ISIN haben denselben steuerlichen Einstandskurs — den Durchschnitt aller Kaufkurse. Du kannst nicht gezielt die ältesten oder teuersten Anteile auswählen.
💡 Jede ISIN = eigener Topf
Die entscheidende Erkenntnis: Jeder ETF hat eine eigene ISIN. Auch wenn iShares MSCI World und Xtrackers MSCI World denselben Index abbilden — sie sind steuerlich vollständig getrennte Positionen mit jeweils eigenem Durchschnittskurs. Das ist der Hebel dieser Strategie.
So funktioniert die Strategie
Starte mit einem ETF-Emittenten
Bespare z. B. den iShares MSCI World (ISIN: IE00B4L5Y983) für einige Jahre. Dein Durchschnittskurs steigt im Laufe der Zeit durch Nachkäufe.
Alle ~10 Jahre den Emittenten wechseln
Wechsle nach etwa 10 Jahren zu einem anderen Emittenten, der denselben Index mit ähnlicher Kostenstruktur abbildet:
- iShares MSCI World → Xtrackers MSCI World (ISIN: IE00BJ0KDQ92)
- Xtrackers MSCI World → Amundi MSCI World (ISIN: IE0002XZSHO1)
- Amundi MSCI World → SPDR MSCI World (ISIN: IE00BYTRR406)
Achte darauf, dass der neue ETF die gleiche TER und ähnliche Tracking Difference hat. Der Emittent soll wechseln, nicht die Performance.
In der Pension zuerst den günstigsten ETF verkaufen
Jeder ETF-„Topf" hat einen eigenen gleitenden Durchschnittskurs. Der zuletzt besparte ETF hat die kürzeste Laufzeit und damit den niedrigsten Durchschnittskurs (und die geringsten stillen Reserven). Verkaufe zuerst diesen.
| ETF | Bespart seit | Ø-Einstiegskurs | Aktueller Kurs | Gewinn/Anteil | Steuer (27,5 %) |
|---|---|---|---|---|---|
| iShares MSCI World | 2015–2025 | 150 € | 400 € | 250 € | 68,75 € |
| Xtrackers MSCI World | 2025–2035 | 250 € | 150 € | 41,25 € | |
| Amundi MSCI World ✓ | 2035–2045 | 350 € | 50 € | 13,75 € |
Beispielrechnung: Alle ETFs bilden denselben MSCI World Index ab. Amundi zuletzt bespart → niedrigster Durchschnittskurs → geringste Steuerlast. Ersparnis: bis zu 55 € Steuer pro Anteil gegenüber dem iShares-ETF.
Gleicher Index = gleiches Risiko. Da alle ETFs denselben Index abbilden, änderst du nur den Emittenten, nicht die Anlageklasse. Deine Rendite bleibt identisch — nur die steuerliche Behandlung verbessert sich.
Vor dem Wechsel prüfen: Vergleiche TER und Tracking Difference des neuen ETFs. Ein teurerer ETF frisst den Steuervorteil auf. Prüfe auch, ob der neue ETF auf der OeKB-Meldefonds-Liste steht — sonst droht Strafbesteuerung.
Steuerberater konsultieren: Die individuelle Gestaltung hängt von deiner persönlichen Steuersituation ab. Besonders bei größeren Vermögen und der Entsparphase in der Pension lohnt sich professionelle Beratung.