Zum Kapitel: Core-Satellite

Core-Satellite: eine einfache Portfolio-Struktur.

Nachdem die Bausteine klar sind, geht es um Ordnung: ein breiter Kern als Basis, kleine Satelliten nur wenn sie bewusst begrenzt und verstanden werden.

Kernidee

Der Core trägt das Portfolio. Satelliten sind optional. Für viele Anleger ist ein reiner Core völlig ausreichend.

In diesem Kapitel erwartet dich:
Visueller Überblick

Core-Satellite auf einen Blick

Die Grafik zeigt die Grundidee: ein großer, breit gestreuter Kern und kleine, bewusst begrenzte Ergänzungen.

Infografik zum Core-Satellite-Portfolio: Der Core umfasst den Großteil des Portfolios und steht für breite Streuung, weltweite Diversifikation und langfristige Basis. Satelliten sind kleinere Beimischungen wie Einzelaktien, Themen-ETFs, Sektor-ETFs oder Sonderchancen.
Vereinfachte Darstellung der Core-Satellite-Strategie. Prozentangaben sind Beispiele und keine Anlageempfehlung.
Das Fundament

Der Core: der Teil, der nicht spannend sein muss

Der Core ist der stabile Hauptteil des Portfolios. Er soll breit streuen, kostengünstig sein und möglichst wenig laufende Entscheidungen brauchen.

Einfach

Ein einziger breit gestreuter Welt-ETF kann als Core genügen.

Breit

Viele Länder, Branchen und Unternehmen reduzieren Einzelrisiken.

Automatisierbar

Ein Sparplan verhindert, dass jede Marktschwankung zur Entscheidung wird.

Merksatz: Ein gutes Portfolio darf langweilig sein. Komplexität ist kein Qualitätsmerkmal.
Optional

Satelliten: kleine Beimischungen mit klarer Grenze

Satelliten können Einzelaktien, Themen-ETFs, Gold, Krypto oder andere gezielte Ideen sein. Sie sind nicht nötig, sondern eine bewusste Ergänzung für Anleger, die Aufwand und Risiko verstehen.

✅ Sinnvoll, wenn …

  • der Core bereits steht
  • der Anteil klar begrenzt ist
  • du den Grund für den Kauf schriftlich erklären kannst

❌ Problematisch, wenn …

  • Satelliten den Core verdrängen
  • du nur wegen Hype oder FOMO kaufst
  • du Verluste nicht aushältst
Risikobudget

Beispielbereiche: Wie groß darf ein Satellit werden?

Die Quoten sind Bildungsbeispiele innerhalb eines ohnehin passenden Aktienportfolios — keine gesetzlichen Grenzen und keine persönliche Empfehlung.

BeispielCoreSatellitenEinordnung
Defensiv90 %10 %Der Core bleibt klar dominant.
Ausgewogen80 %20 %Mehr Raum für Beimischungen und mehr Abweichung vom Weltmarkt.
Offensiver70 %30 %Deutlich höhere Abhängigkeit von den gewählten Satelliten.

Beispielhafte Leitplanken

  • Einzelaktie: etwa 3–5 % des Gesamtdepots.
  • Themen- oder Sektor-ETF: etwa 5–10 %.
  • Gesamte Satelliten: grundsätzlich etwa 10–20 %.
  • Niemals Notgroschen oder kurzfristig benötigtes Geld verwenden.

Überschneidungen zählen

Ein Satellit ist nicht automatisch zusätzliche Diversifikation. Ein Technologie- oder USA-ETF kann dieselben Unternehmen enthalten, die im globalen Core bereits stark gewichtet sind. Dann steigt vor allem die Konzentration.

Kategorien

Satelliten nach Zweck und Zusatzrisiko

Vor jeder Beimischung sollten Zweck, Überschneidung, Kosten und österreichische Steuerfragen geprüft werden.

SatellitMöglicher ZweckZusatzrisiko / ÜberschneidungPrüfen
EinzelaktienGezielte UnternehmensüberzeugungHohes Einzelwertrisiko; meist bereits im Welt-Core enthalten.These, Positionsgröße, Bilanz, Orderkosten
Small Cap / ValueAndere Unternehmensgrößen oder BewertungsstilLange Schwächephasen und Überschneidungen möglich.Indexmethodik, Tracking Difference, TER
EM / Technologie / SektorRegion oder Branche stärker gewichtenKlumpenrisiko und deutliche Abweichung vom Weltmarkt.Core-Anteil, Indexkonzentration, Rebalancing
Gold / RohstoffeAndere Risikotreiber beimischenKeine laufenden Erträge; Rohstoffprodukte können Rollverluste haben.Produktstruktur, Kosten, Steuerstatus
KryptoHochspekulative BeimischungExtrem hohe Schwankung, Plattform- und Verwahrungsrisiken.Verlusttragfähigkeit, Sicherheit, Steuerpflicht
Vorher festlegen

Satelliten-Checkliste statt Bauchgefühl

Schriftlich dokumentieren

  • ursprüngliche Investmentthese
  • Zweck im Gesamtportfolio
  • maximale Zielgewichtung
  • Prüftermin und Ausstiegsbedingungen

Bei der Kontrolle fragen

  • Gilt die ursprüngliche These noch?
  • Ist die Position zu groß geworden?
  • Ist sie nur wegen vergangener Rendite dabei?
  • Gibt es sachliche Gründe oder nur FOMO?
Regeln

Drei Regeln gegen Chaos im Depot

Regel

Core zuerst

Der Hauptteil des Portfolios soll breit gestreut sein. Satelliten kommen erst danach.

Regel

Satelliten begrenzen

Eine kleine Quote schützt davor, dass einzelne Ideen das ganze Portfolio dominieren.

Regel

These prüfen

Bei Einzelaktien oder Themenwetten regelmäßig fragen: Gilt der ursprüngliche Grund noch?

Pflege

Rebalancing: selten, aber bewusst

Übergewicht reduzieren

Wenn ein Satellit stark gewachsen ist, kann ein Teil zurück in den Core wandern. Neue Sparraten sind steuerlich oft einfacher als Verkäufe.

Verluste nicht schönreden

Ist die Investmentthese gebrochen, hilft kein Nachkaufen aus Trotz. Dann ist eine saubere Entscheidung wichtiger als Hoffnung.

Bildungsregel: Mindestens einmal jährlich kontrollieren. Zuerst neue Sparraten zur Korrektur verwenden; Verkäufe erst bei deutlicher Abweichung, beispielsweise mehr als fünf Prozentpunkten, und nur nach Prüfung von Steuerfolgen und Transaktionskosten erwägen.
Krisenfest

Crash-Regeln: vorher festlegen, nicht mitten in der Panik

🛡️ Sparplan nicht hektisch stoppen

Bei langfristigem Horizont kauft der Sparplan in fallenden Märkten mehr Anteile für denselben Betrag.

💧 Notgroschen unangetastet lassen

Nur wirklich freies Geld investieren. Die Reserve ist kein Nachkaufbudget.

🚫 Keine Kredite

Kredite für Börseninvestments erhöhen Druck und Risiko massiv. Das passt nicht zu KIWAGs Bildungsansatz.

Zusammenfassung: Core breit und langweilig. Satelliten klein und bewusst. Rebalancing selten. Crash-Regeln vorher festlegen.
Keine Anlageberatung. Die beschriebene Struktur dient ausschließlich als Bildungsbeispiel. Keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Wertpapiere. Historische Renditen sind keine Garantie. Vollständiger Disclaimer
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