Kapitel 3 · Finanzen
Core-Satellite: Deine Strategie für langfristigen Vermögensaufbau.
Der breite, kostengünstige Core-ETF bildet das Rückgrat — die optionalen Satelliten bieten Raum für eigene Ideen, ohne das gesamte Portfolio zu gefährden.
🎯 Der Kern der Idee
80–100 % des Kapitals liegen in einem oder wenigen breiten Index-ETFs (Core). 0–20 % kannst du gezielt einsetzen — für Einzelaktien, Sektorwetten oder thematische ETFs (Satelliten).
Das Konzept
Was ist Core-Satellite?
Stell dir dein Portfolio als einen Planeten vor. Der Core (Kern) ist der Planet selbst — massiv, stabil, zuverlässig. Die Satelliten umkreisen ihn: kleine, bewusst gewählte Ergänzungen, die zusätzliche Renditechancen nutzen, ohne das Ganze zu gefährden.
Merksatz: Der Core sorgt dafür, dass du den Markt mitnimmst. Die Satelliten geben dir die Möglichkeit, ihn zu schlagen — aber sie sind kein Muss. Ein reiner Core (100 % ETF) ist für die meisten Anleger die optimalste Lösung.
Abwägung
Vorteile und Nachteile der Core-Satellite-Strategie
✅ Vorteile
- Breite Streuung: Der Core diversifiziert über Tausende Unternehmen weltweit.
- Einfache Umsetzung: Ein Sparplan auf einen Core-ETF genügt. Keine tägliche Überwachung.
- Niedrige Kosten: Core-ETFs haben TER von 0,07–0,22 %.
- Psychologisch einfacher: Du weißt, dass 80+ % sicher diversifiziert sind.
- Flexibel: Satelliten kannst du jederzeit anpassen, ohne den Kern zu stören.
❌ Nachteile
- Satelliten schmälern oft die Rendite: Die meisten Privatanleger schlagen den Markt nicht.
- Erfordert Disziplin: Rebalancing, Thesis-Checks und Verluste aushalten sind psychologisch anspruchsvoll.
- Verlockung zu viele Satelliten: Aus 20 % werden schnell 40 % — dann verliert die Strategie ihren Sinn.
- Mehr Aufwand: Satelliten brauchen Recherche und regelmäßige Überprüfung.
⚠️ Realitätscheck: Laut der SPIVA-Studie (S&P Global) schlagen über 85 % der aktiven Fondsmanager ihren Vergleichsindex nicht — über einen Zeitraum von 15+ Jahren. Wenn selbst Profis mit Millionenbudget den Markt nicht dauerhaft schlagen, tu dir keinen Zwang an.
Das Fundament
Der Core — der Teil, der automatisch läuft
Option A: 1 ETF für absolute Anfänger
Die einfachste Lösung: ein einziger ETF. Keine Gewichtungsfragen, kein Rebalancing zwischen ETFs, keine Sorgen.
| ETF | ISIN | TER | Art |
| Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (Acc) | IE00BK5BQT80 | 0,22 % | Thesaurierend |
Option B: 3 ETFs für mehr Kontrolle
Wer die Gewichtung selbst bestimmen möchte, kann den Core aus mehreren ETFs zusammensetzen.
| ETF | ISIN | TER | Gewichtung (Beispiel) |
| iShares Core MSCI World UCITS ETF (Acc) | IE00B4L5Y983 | 0,12 % | 70 % |
| iShares MSCI EM UCITS ETF (Acc) | IE00BKM4GZ66 | 0,18 % | 15 % |
| iShares MSCI World Small Cap UCITS ETF (Acc) | IE00BF4RFH31 | 0,35 % | 15 % |
💰 TER vergleichen
TER ist nicht alles, aber sie frisst Rendite. Ein Unterschied von 0,10 % TER macht über 30 Jahre bei 10.000 € Einlage gut 4.000 € Unterschied.
📈 Thesaurierend (Acc) bevorzugen
Thesaurierende ETFs legen Dividenden automatisch wieder an — das nutzt den Zinseszinseffekt maximal.
🤖 Sparplan automatisch
Richte einen monatlichen Sparplan ein. Automatisch, immer gleich viel, ohne Nachdenken.
📈 Rendite realistisch einschätzen: Der MSCI World erzielte historisch ca. 8–10 % p.a. brutto (Net Total Return in EUR, 1975–2024). Nach österreichischer KESt (27,5 %) bleiben ca. 6–7 % p.a. netto. Wichtig: Historische Werte sind keine Garantie.
Die Ergänzungen
Die Satelliten — optionale Beimischung mit Köpfchen
Satelliten sind kein Muss. Maximal 10–20 % deines Depots sollten in Satelliten liegen.
⚠️ Warnung: Nur Geld in Satelliten investieren, das du auch verlieren könntest, ohne deinen Lebensstandard zu gefährden. Satelliten sind Bonus — nicht die Basis.
Die Drei-Tranchen-Strategie für Nachkäufe
Wenn du eine Einzelaktie ins Depot nehmen möchtest, kaufe nicht auf einmal. Nutze die Drei-Tranchen-Strategie, um das Timing-Risiko zu reduzieren:
Tranche 1
Einstieg nach Korrektur
Warte auf eine 5–15 % Korrektur des Kurses. Kaufe das erste Drittel deines Budgets.
Tranche 2
Zweites Drittel bei −10 %
Fällt der Kurs 10 % unter deinen Einstiegskurs, kaufst du nach — vorausgesetzt der Thesis-Check ist positiv.
Tranche 3
Drittes Drittel bei −20 %
Fällt der Kurs weitere 10 % (insgesamt −20 %), kaufst du das letzte Drittel. Auch hier: vorher Thesis-Check.
📐 Rechenbeispiel: 300 € Budget (3 × 100 €): Tranche 1 bei 100 € → 1 Anteil. Tranche 2 bei 90 € → 1,11 Anteile. Tranche 3 bei 80 € → 1,25 Anteile. Durchschnittskurs: 89,28 € statt 100 € — Ersparnis über 10 %.
Vor jeder Tranche prüfen
Der Thesis-Check — dein Sicherheitsnetz
Bevor du eine weitere Tranche kaufst, stelle sicher, dass sich an der Geschichte des Unternehmens nichts grundlegend geändert hat. Ein fallender Kurs allein ist kein Grund zum Nachkaufen.
🤖 KI befragen
Nutze eine KI und frage: "Gab es fundamentale Änderungen im Geschäftsmodell, in der Bilanz oder im Marktumfeld?" Die KI ersetzt keine eigene Recherche, liefert aber einen schnellen Überblick.
📊 Analysten-Konsens prüfen
In den meisten Broker-Apps findest du Analystenbewertungen. Der Konsens ist kein Gesetz, aber ein wichtiges Stimmungsbild.
👥 Peer-Group prüfen
Fällt nur diese eine Aktie — oder die gesamte Branche? Wenn die ganze Branche unter Druck steht, ist die Aktie vielleicht gar nicht "kaputt".
🚨 Reißleine: Fundamentale Probleme (Bilanzskandal, Geschäftsmodell überholt): Kaufe nicht nach, sondern verkaufe. Ein Fehler ist kein Problem. Ihn zu ignorieren schon.
Pflege des Portfolios
Rebalancing — einmal im Jahr kurz nachschauen
✅ Bei Übergewicht: Gewinne in den Core zurückführen
Ist ein Satellit überproportional gestiegen (z. B. von 15 % auf 25 %), nimmst du Teilgewinne mit und führst das Geld in den Core-ETF zurück.
⚠️ Bei Verlusten: Thesis-Check → Reißleine oder halten
Ist ein Satellit stark gefallen: Thesis-Check durchführen. Besteht er: halten oder nachkaufen. Fällt er durch: verkaufen und ins Core zurückführen.
Praktische Tipps: 1× pro Jahr reicht. Rebalancing über neue Sparraten ist steuerlich günstiger als Verkauf. Nur handeln, wenn die Abweichung mehr als 5 % beträgt.
Krisenfest
Die Crash-Regel — was tun, wenn es richtig kracht?
🛡️ Core-Sparplan niemals stoppen
Die wichtigste Regel. Wenn der Markt einbricht, kauft dein Sparplan mehr Anteile für denselben Betrag. Wer in der Finanzkrise 2008 seinen Sparplan weitergeführt hat, fuhr die höchsten Renditen ein.
💧 Freie Liquidität nutzen
Hast du zusätzliches Geld, das nicht zu deinem Notgroschen gehört? Dann kannst du in einer starken Korrektur die Sparrate temporär erhöhen. Nur Geld, das wirklich frei ist.
🚫 Niemals Kredite aufnehmen
Kein Lombardkredit, kein Dispo. Niemals Kredite für Börseninvestments aufnehmen. Der Markt kann weiterfallen, du kannst deinen Job verlieren.
💪 Denk dran: Die größten Vermögen wurden nicht durch perfektes Timing gebildet, sondern durch diszipliniertes Durchhalten über Jahrzehnte. Crashs sind Rabatt-Aktionen für Langfrist-Anleger.
Ehrlich währt am längsten
Was KIWAG nicht verspricht — und was wir wirklich bieten
❌ Das versprechen wir NICHT
- ❌ Keine "schnell reich"-Versprechen
- ❌ Keine geheimen Tipps — es gibt sie nicht
- ❌ Keine Garantie — historische Renditen sind keine Garantie
- ❌ Keine Empfehlung einzelner Aktien oder Kaufzeitpunkte
- ❌ Kein "Market Timing" — niemand kann den perfekten Ein- und Ausstieg vorhersagen
✅ Dafür stehen wir
- ✅ Faktenbasierte, verständliche Bildung
- ✅ Bewährte Strategien, die auf Statistik basieren
- ✅ Transparenz über Risiken und Kosten
- ✅ Österreichische Perspektive (KESt, Steuern, Broker)
- ✅ Der Zinseszinseffekt als der wahre Hebel
📌 Zusammenfassung für den Kühlschrank: Core-ETF (80–100 %) läuft automatisch per Sparplan. Satelliten (0–20 %) nur nach Thesis-Check. Drei-Tranchen-Strategie für Nachkäufe. Rebalancing 1× jährlich. Crash: Sparplan niemals stoppen, Kredite niemals aufnehmen.
Keine Anlageberatung. Die hier beschriebene Core-Satellite-Strategie sowie alle genannten ETFs, ISINs und Aktien dienen ausschließlich als Bildungsbeispiele. Keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf. Historische Renditen sind keine Garantie.
Vollständiger Disclaimer